Was persönliche Krisen so wertvoll macht.
Das uralte chinesische Wort für Krise besteht aus den Buchstaben Wei und Ji. Jeder einzelne Buchstabe hat in der chinesischen Schrift eine eigene Bedeutung. Wei, die Gefahr, das Alte und Gewohnte zu verlieren und damit verbunden Ji, die Chance, die Gelegenheit, uns aus unseren unsichtbaren Verstrickungen zu befreien und das Neue zu gewinnen.
In der Gefahr liegt die Chance.
Eine Krise kann, wenn sie groß genug ist, mit ihrer Gewalt des Wei unser festgefahrenes Weltbild, unsere Vorurteile, Vorurteile und Glaubenssätze zertrümmert, damit unser altes, statisches Trugbild von Sicherheit vollkommen zerbricht.
Dies öffnet den Weg für das Ji, uns damit die Chance auf Befreiung und Erneuerung. Dies ist eine der grundlegenden Weisheiten des Ostens.
Der Sufi-Mystiker Rumi sagt:
„die Wunde ist der Ort, wo das Licht eintritt“.
Natürlich versuchen die meisten reflexartig, die Scherben wieder zusammenzukleben, damit alles wieder wird wie vorher. Sicherheit verlieren – Wie klingt das für dich? Nicht gut? Du würdest auch lieber an dem festhalten, was du hast und bist. Sollte dir das gelingen, hast du die Chance, das Ji verpasst.
Aber wenn das Flicken nicht funktioniert, bleibt nichts anderes mehr übrig, als sich auf die Begegnung mit dem Unbekannten einzulassen. Es ist bei vielem oft die einzige Möglichkeit, den Raum des Unerwarteten zu betreten.
Dieser Raum, in dem alle Wunder geschehen.
Wenn das Alte stirbt, wird daraus das Neue geboren. Nichts bleibt jemals, wie es ist. Das braucht dir keine Angst zu machen, denn es ist der ewige Kreislauf der Natur. Das Wunder der Schöpfer.
Das bringt auch Goethe zum Ausdruck, wenn er schreibt:
„Solange du das nicht hast, dieses Stirb und Werde,
bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde“.
Ohne Sterben kein Werden. In der Gefahr liegt die Chance. Wei Ji.
In den alten Weisheitslehren des Ostens gibt es unzählige Gleichnisse, die darauf hinweisen. Dass das Alte stets dem Neuen weichen muss. Denn alles, was du dir vorstellen kannst, alles, was Form hat, alle Materie und auch jeder Gedanke, existiert nur vorübergehend.
Es ist wie eine Wolke am Himmel. Alles wird vergehen. Nichts davon kannst du festhalten, auch wenn du dich noch so sehr daran klammerst. Aber wisse, du kannst nichts verlieren, was du niemals besessen hast.
Solange du am Alten festhalten willst, stellst du dich der Schöpfung in den Weg.
Dir ist das Risiko zu groß, dass das, was kommt, womöglich schlechter ist als das, was war. Und wieder gilt:
„Das Alte ist genauso wenig gut oder schlecht wie das Neue“.
Gut oder schlecht ist nur dein Urteil, – deine Furcht nur ein Vorurteil. Natürlich will dein Ego, dein denkendes und wollendes Ich, das nicht wahrhaben, obwohl es wahr ist. Stattdessen haben wir gelernt, jeder Gefahr, die unser Weltbild zum Einsturz bringen könnte, aus dem Weg zu gehen.
Jeder Gefahr aus dem Weg gehen zu wollen, bedeutet, dem Leben selbst aus dem Weg zu gehen.
Der Raum der Möglichkeiten wird kleiner, je mehr du dich verschließt. Sich verschließen heißt, sich selbst einzusperren in sein eigenes Gefängnis.
Das ist natürlich kein Aufruf, bei rot über die Ampel zu laufen, nur weil man sich damit sehenden Auges in Gefahr bringt. Gut für sich zu sorgen ist Pflicht. Aber was erscheint dir über das Offensichtliche hinaus noch alles gefährlich, sodass du ihm aus dem Weg gehst?
Alles Neue ist in erster Linie eine Gefahr für die Gewohnheit. Der Mensch liebt nichts mehr als seine Routinen. Das Letzte, was er gern verändert, sind seine Ansichten.
Unantastbar ist sein Glaube.
Wer beispielsweise glaubt, er wäre in einer Beziehung mit einem anderen Menschen, ohne den er nicht leben könnte, wird sich womöglich darin selbst aufgeben, vielleicht sogar verlieren, nur um der Gefahr eines möglichen Verlustes zu entgehen.
Kommt es trotz aller Aufopferung zum Bruch, entsteht dadurch die Krise. Aber in ihr verbirgt sich die Chance, eine überraschende Erfahrung zu machen. Nachdem das Seil durchtrennt ist, bist du frei, und dann erst erkennst du, dass es in Wahrheit nie ein Seil gab, denn das Seil hattest du dir nur eingebildet. Du hast nichts anderes als eine Abhängigkeit verloren.
Das gilt für alles, an das du glaubst. Denn an etwas glauben heißt, sich an etwas festhalten zu wollen, was man nicht festhalten kann.
Du wirst freiwillig niemals loslassen, es sei denn, eine Krise zerstört deinen Glaubenssatz und an was du geglaubt hast, löst sich in Luft auf, weil es niemals wirklich existiert hat, außer in deinen Gedanken und Vorstellungen. Das erkennst du aber erst hinterher.
Dieser Prozess ist schmerzhaft. Es ist ein Entzug, denn jede Sehnsucht ist Sucht. Es ist das Ende einer Täuschung.
Aber wenn du bereit bist und lernst, loszulassen, offenbart sich mit der Zeit aus den Rissen mehr und mehr das Licht der Wahrheit. Unser Sein. Und damit unser wahres Selbst ist von nichts und niemand abhängig.
Die Geschichte vom chinesischen Wort Wei Ji hat gerade in Krisenzeiten die Runde, oft ist es Zweckoptimismus, wenn man sagt, sieh doch, so eine Krise kann doch auch eine Chance sein. Tja, aber das ist eben nur die Hälfte der Wahrheit. Denn es ist kein Glücksspiel. Jede Krise ist nur dann eine Chance, wenn du den Schmerz des Verlustes annehmen kannst.
Wer nicht loslässt, hat die Chance verpasst. Viele erleben gerade jetzt durch die Pandemie und all ihren Folgen eine Krise. Aber die meisten sind jetzt augenscheinlich noch mehr überzeugt von dem, an was sie davor auch schon geglaubt haben. Viele wollen Veränderungen und Wandel aber verharren in ihren alten Überzeugungen. Es sollen sich immer nur die anderen ändern, während man selbst am eigenen Weltbild festhält.
Es gibt kein Einlassen ohne Loslassen. Vielleicht braucht es dafür auch bei dir erst eine Krise. Und vielleicht erkennst du dann darin die Chance. Aber du musst so lange gar nicht warten, denn die Kunst des Loslassens kannst du lernen.
Es ist wahrhaftig eine Kunst, die Übung und Hingabe braucht. Es ist nichts anderes als die Übung der Kontemplation, die Pflege des Geistes, der Weg zu inneren Weisheit und die Erfahrung der Meditation, die dich wieder eins werden lässt.
Eins mit Gott.
Ich bin da und gehe nicht weg!
bleiben Sie gefühlvoll!
Heilpraktiker Psychotherapie
Analytische Gestalttherapie,
Hypnosetherapie
Yager-Code Master
Praxis Thomas Niegisch
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